Es gibt viele Bücher, die Anfänger an das Zeichnen heran führen wollen. Die meisten verlegen sich dabei auf eine eher akademische Vorgehensweise, in der zunächst Theorie gepaukt wird, bevor man sich an die Praxis wagt. Man lernt mit abstrakten Begriffen zu arbeiten, die mit der Wirklichkeit nicht immer viel zu tun haben.
Eckard Funck geht einen ganz anderen Weg. Seine Kursteilnehmer benutzen einfache Materialien, die man in jedem Schreibwarenladen bekommt und lernen direkt praktisch an das Motiv und das leere Blatt heran zu gehen. Seine Erfahrungen und Erkenntnisse hat er deshalb in dem Buch „Richtig Sehen & locker Skizzieren“ zusammengefasst, nachdem er mehrfach darum gebeten wurde.
Er ist der Ansicht, dass derjenige, der schreiben und lesen kann durchaus auch in der Lage ist, bis zu einem gewissen Grad zeichnen zu lernen. Wie, das versucht er in seinem Kurs anschaulich zu vermitteln. Zunächst einmal kommt es auf die richtige Haltung von Körper und Stift an.
Für das lockere Skizzieren ist es wichtig, viel Bewegungsfreiheit zu haben und sich nicht zu verkrampfen. Dadurch ermuntert er die angehenden Künstler bei den Strichen weit auszuholen und die Linen nach Gespür zu ziehen. Es gibt auch einige einfache Lockerungsübungen, um sich mit der richtigen Handhaltung vertraut zu machen.
Aber auch auf das richtige Sehen kommt es an. Es ist wichtig, das ausgewählte Motiv genau zu studieren. Denn auch wenn wir es so gelernt haben – die Zweige einer Tanne gehen in der Natur nicht nach unten sondern nach oben, und Bäume können auch sehr unterschiedlich aussehen.
Und oft führt einen das Auge auch an der Nase herum. Wie man seine eigene Wahrnehmung überlisten kann, zeigt das nächste Beispiel. Anhand eines Zaunes, der auf den Betrachter zuläuft erklärt er gängige perspektivische Fehler und wie man sie vermeiden kann. Wichtig ist es beim Zeichnen immer auf die eigene Augenhöhe zu achten. Mit einem Stift kann man ganz einfach feststellen, wo diese für einen gerade liegt und studieren, wie die Linien darüber und darunter verlaufen.
Schritt für Schritt führt der Autor die Leser an das Skizzieren von immer aufwendigeren Motiven heran. Dabei zeigt er auch, wie man von Fotos nachzeichnen kann, wenn man nicht vor Ort die Möglichkeit hatte, zu zeichnen oder ein fremdes Bild bearbeiten möchte. Dabei rät er ruhig Fineliner und Kugelschreiber zu verwenden, denn es ist wichtig, nicht zu radieren. Immer wieder erklärt er auch gleich dabei, wie man durch Schatten und Schraffuren Tiefe erzeugen kann.
Schließlich erläutert er auch noch, wie man die einfachen Zeichnungen stimmungsvoll kolorieren und zu kleinen Kunstwerken gestalten kann.
„Richtig sehen & locker Skizzieren“ überzeugt durch seine interessante Vorgehensweise, die auch Laien Mut macht, sich im Zeichnen von Landschaften zu versuchen. Durch die schrittweise Heranführung an komplexere Motive und die ständigen Erläuterungen von typischen Fehlern und Problemen hat man immer wieder Erfolgserlebnisse und macht auch gerne weiter. Eckard Funck erklärt ganz und gar nicht dozierend, sondern sehr einfühlsam und freundlich, macht deutlich, dass auch schon viele andere vorher mit den gleichen Problemen gekämpft haben.
Durch seine mit vielen Bildern belegten Beispiele gibt er Anregungen und bringt interessieren Hobbykünstlern die Grundlagen von der Pike auf und aus der Praxis heraus bei. Das ist viel mehr wert als eine technische Vorgehensweise, wie sie von vielen anderen Zeichenratgebern propagiert wird.
Auch Fortgeschrittene können in den Erklärungen Probleme und Fehler wiederfinden, die in anderen Büchern bisher nicht erörtert werden.
Alles in allem weiß „Richtig sehen & locker Skizzieren“ rundum zu überzeugen und macht Lust darauf, viele der Tipps und Tricks gleich selbst auszuprobieren. Denn hier wird man nicht erst von vielen theoretischen Grundlagen eingeschüchtert, sondern kann gleich mit der Praxis einsteigen, was immer das Beste ist.
Arielen / roterdorn.de